Geschichte

Wie alles begann

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In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts war das Ertrinken "in Mode". Pro Jahr verloren etwa fünftausend Menschen im Wasser ihr Leben, und nur zwei bis drei Prozent der damaligen Bevölkerung konnten schwimmen. Dennoch: Es bedurfte erst eines spektakulären Ereignisses, um den bereits bestehenden Gedanken zur Gründung einer Lebensrettungsgesellschaft in die Tat umzusetzen.

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Am 28. Juli 1912, es war ein sonniger Sonntag, brach gegen 19 Uhr die Anlegestelle am Brückenkopf der Seebrücke in Binz auf Rügen. Über 100 Menschen stürzten ins Wasser und 17 Personen, darunter sieben Kinder, ertranken.

Ein knappes Jahr später, am 5. Juni 1913, veröffentlichte das amtliche Organ des Deutschen Schwimmverbandes, der "Deutsche Schwimmer", den Aufruf zur Gründung der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. Am Tag der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals, am 19. Oktober 1913, wird im Leipziger Hotel "de prusse" die DLRG ins Leben gerufen. Zum Ende des Gründungsjahres zählt die junge Organisation 435 Mitglieder, darunter namhafte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Die Geschichte der Ortsgruppe Brakel

60 Jahre DLRG Brakel, das ist eine lange Zeit. Angefangen hat alles mit Heinrich Kluge. Als junger, sportbegeisterter Volksschullehrer wurde er 1952 Mitglied der DLRG in Köln und machte auch seinen Lehrschein, als er dort die Sporthochschule absolvierte. Zurück in Brakel konnte er vielen seiner Schüler Frei- und Fahrtenschwimmerprüfungen abnehmen. Bald war es naheliegend, in Brakel eine eigene Ortsgruppe zu gründen. 1954 wurde also die Brakeler DLRG mit Unterstützung des Paderborner Kameraden Heinz Hirche aus der Taufe gehoben. In den ersten Jahrzehnten war es das vorrangige Ziel der Ortsgruppe, den Menschen das Schwimmen zu lehren. Unter dem Motto "Jeder Nichtschwimmer ein Schwimmer, jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer" fanden vom Juni bis zum September jeden Jahres Kurse im Freibad statt, bei denen vom Frei- schwimmerabzeichen bis zum Leistungsschein alle Gruppen vertreten waren. Die wenigen aktiven Mitglieder konnten erstaunlich viele Beurkundungen vornehmen. So durchliefen z.B. allein 1959 54 Neuschwimmer, 143 Freischwimmer und 114 Fahrtenschwimmer Lehrgänge der DLRG Brakel; 45 Jugendschwimmscheine, 57 Grundscheine sowie 8 Leistungsscheine wurden verliehen. Heute können wahrscheinlich über 90% der Jugendlichen schwimmen, doch im Jahr 1960 sah das noch ganz anders aus. Nur 81 der 175 Schüler des Brakeler Progymnasiums bzw. 13 der 31 Schüler der Theresien-Schule der Brede waren Freischwimmer. Die Kurse der DLRG, die hauptsächlich von Walter Pöppe, Hans-Georg Müller, Wilfried Happ, Gerhard Lütkemeier und Karl-August Schulz geleitet wurden, waren dementsprechend gut besucht. Mehrere tausend Menschen haben seit der Gründung der DLRG Brakel Abzeichen erschwommen. Leider fiel in den 50er und 60er Jahren im Winter das Vereinsleben völlig flach. Auch Wettkämpfe, Wanderungen, Fahrten und Feiern fanden kaum statt.

Von 1974 bis 1984 bestand zum ersten mal in der Vereinsgeschichte eine Jugendgruppe unter Peter Boidol, Hans-Dieter Mönnikes und Jürgen Freitag, die im neuerbauten Freibad hart trainierte und an Wettkämpfen teilnahm. 1983 führte die Ortsgruppe im Brakeler Freibad das traditionelle Bezirks-Pfingstzeltlager mit über 400 Teilnehmern durch. Immer wieder beteiligten sich aktive Mitglieder der DLRG an der Aufsicht im Brakeler Freibad sowie am Küstenwachdienst. Ausserdem veranstaltete die Ortsgruppe in Zusammenarbeit mit der Stadt Brakel Volksschwimmfeste im Hallen- und Freibad. Anläßlich der Feiern zum 1150 jährigen Bestehen der Stadt Brakel im Jahr 1979 fand ein solcher Wettbewerb statt. 1991 konnte eine Gruppe Jugendlicher zum 20 jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Wetteren mit Vertretern der Stadt Brakel nach Belgien fahren und dort an den Festlichkeiten teilnehmen. Dabei traten sie als Brakeler Mannschaft beim "Spiel ohne Grenzen" an. Auch im Zusammenhang mit der Nutzung des Hallen- und Freibades sowie des Vereinsheims, das erstmals 1993 bezogen werden konnte, arbeitet die DLRG gut mit der Stadt zusammen. Immer wieder erlitt die Ortsgruppe durch die Berufstätigkeit engagierter Mitglieder Rückschläge.

Aktive Jugendarbeit findet erst seit 1989 wieder statt. Die Ortsgruppe erlebte einen wahren "Boom", die Mitgliederzahlen kletterten in die Höhe. Heute, wo die Arbeit in den Kinder- und Jugendschwimmgruppen den Hauptteil des Vereinslebens einnimmt, ist die Popularität der DLRG so gross, dass schon kurz nach dem Beginn einer neuen Saison die Aufnahme von weiteren Mitgliedern eingestellt werden muss. Doch auch alle anderen Recoursen des Vereins blühten und blühen weiter auf. Zu den 300 Mitgliedern der DLRG Brakel zählen nun schon etliche Rettungstaucher, Taucher und Bootsführer. Zusätzlich sind ständig Rettungsschwimmer in der Ausbildung zu Rettungstauchern, Tauchern und Bootsführern.

Seit über 10 Jahren ist die OG Brakel nunmehr auch im Rahmen des Katastrophenschutzes im Kreis Höxter tätig. Ihr Können mussten sie zuletzt beim Elbe-Hochwasser 2013 in Schönebeck unter Beweis stellen. Besonders wichtig bei solchen Grossschadensereignissen ist das Hochwasserboot "Alligator", das sich im Besitz der Ortsgruppe befindet. Dank der Robustheit und der Flexibilität ist es für den Katastrophenschutz unverzichtbar. Die DLRG Ortsgruppe Brakel ist also auf sehr vielen Gebieten aktiv und bieten ihren ehrenamtlichen Mitgliedern neben Aus- und Fortbildung auch Fahrten, Wachdienst und Breitensport.